Der Ventus ist startklarDie vergangenen zwei Wochen waren recht arbeitsintensiv und nahezu jeden Abend verbrachte ich in der Werkstatt, gab es doch jede Menge Kleinigkeiten noch zu erledigen, damit der Ventus fertiggestellt werden kann. Nun kann ich aber Vollzug melden, sodass dem Erstflug eigentlich nichts mehr im Wege steht.

Nur das Wetter müsste noch besser werden, damit die Bedingungen am Platz wieder in Ordnung sind und die Schlepppiloten aus ihrem Winterschlaf erwachen.
Die schlechte Nachricht zuerst. Der Ventus hat im Vergleich zu seinem Vorgänger zugelegt, zeigte der Taschenrechner nach Addierung aller Einzelgewichte doch mit knapp 9kg etwa ein Kilo mehr als sein Vorgänger an. Aber im Heck musste ich nur 30g Blei zugeben um auf den angegebenen Schwerpunkt von 84mm zu kommen. Das Mehrgewicht ist wohl der Kohleverstärkung in den Flächen sowie dem Nasenantrieb geschuldet.

Damit komme ich auf eine Flächenbelastung knapp über 100g /dm², was sicher nicht falsch ist wenn man dynamisch fliegen möchte.

Zuvor musste aber noch die zweite Fläche sowie die Winglets bebügelt werden. Die Winglets bekamen zusätzlich noch eine leuchtrote Spitze um einen gewissen Alpinflugtouch zu schaffen.
Danach galt es die 6 Ruder mit Silikonscharnieren anzubringen. Dank meinem Spezialsilikon Elasosil, E43 - E41 wär aber besser, ist aber schwer zu bekommen - war dies recht zügig erledigt. Zur Fixierung der Ruder verwendete ich normales Tesaband, was im Nachklang nicht so toll war, da rund 1mm Silikonreste selbst nach knapp 6 Tagen Trocknungszeit nach dem Abziehen des Bandes auf selbigen verblieben waren. Beim nächsten Projekt werde ich hier wohl wieder auf Nopi-Malerband wechseln, obwohl damit die Ruder nicht so präzise fixiert werden. Die Scharniere sind aber dennoch superfest und bewegen sich leichtgängig.
Die Servodeckel waren noch anzufertigen wobei ich hier auf in der Grabbelkiste vorhandenes Material zurückgegriffen habe, weil dessen Hutzen nicht so ausgebildet sind wie bei den MPX Deckeln. Aber hier werde ich noch geeignetere und stabilere Deckel besorgen. Den Abschluss an der Fläche bildete das Spalt-Abdeckband, das vorsichtig angebracht wurde, damit der Ventus im Schnellflug nicht so laut ist.

Der Einbau der RC-Anlage war recht kniffelig, da der Platz sehr begrenzt war. Die Centralbox 200 residiert hinter dem Kopf des Piloten bein SR-Servo. Dort kommt auch das Vario und der GPS-Empfänger unter. Ein Satellitenempfänger weilt in der Seitenflotte, der andere auf dem Rumpfboden unterhalb des Piloten. Damit sollte stets guter Empfang gewährleistet sein. Der RC-Switch, zum ein- und ausschalten des Modells ist auch im Rumpfboden untergekommen mit etwas Abstand zum RSat2.
Da ich als BEC-Backup und zur Versorgung des RC-Switches einen "Angstakku" einsetze (2sLiFePo 2500mAh), musste dieser auch noch einen Platz bekommen. Der ist nun neben dem Fahrwerk. Über einen zusätzlichen, fest eingebauten MPX-Stecker hinter dem Pilotenkopf lässt sich der Angstakku auch schnell zum Laden entfernen bzw. an ein Ladegerät anschließen, da die Akku-Steckverbindungen an der Centralbox wegen der Platzverhältnisse sehr schlecht zugänglich sind. Die Verkabelung ist etwas aufwändiger, da der Mezon 120 lite Regler nicht wirklich für den Einsatz mit einer Centralbox vorgesehen ist, die nur über MPX-Stecker zur Stromversorgung verfügt, der Mezon aber nur Servostecker bietet. Zudem wurde der Schiebeschalter, der den Regler und das BEC einschaltet gegen einen Optokoppler (Öffner - nicht oft zu finden) ersetzt. Das ganze sieht dann so wie im Schema gezeigt aus. Der RC-Switch benötigt im Bereitschaftsmodus etwa 90µA aus dem "Angstakku". Das ist also während eines ganzen Tages absolut irrelevant (Verbrauch pro Tag etwa 2,2 mAh).

Schema der Stromversorgung im VentusDie Servostecker bzw. dessen Kabel am Mezon wurden ca. 10cm nach dem Regler abgeschnitten und jeweils beide Plus und Minuspole an ein 2 x 1,5² Kabel gelötet, welches über einen MPX-Stecker in die Centralbox führt. Der Regler-Signalpin und der Telemetrieanschluss (Ext1) wurden einzeln an den jeweiligen CB-Anschlüssen mit Servosteckern angeschlossen. Wird nun die CentralBox über den RC-Switch eingeschaltet, liegt Spannung an den Servoausgängen an. Am Telemetrieeingang wird diese abgegriffen und schaltet den Optokoppler auf nichtleitend (Verarmungstyp - normale Optokoppler schalten auf leitend, daher ist dieser Typ eher selten zu finden). Dies ist der Schaltaktion am Schiebeschalter gleich (Kurzschluss bedeutet aus) weshalb auch der Regler mit seinem auf 8V eingestellten BEC dadurch komplett eingeschaltet wird. Ein eventueller (aber unwahrscheinlicher) BEC-Ausfall wird duch Abfall der Betriebsspannung (Spannungsalarm auf 7.5V) auf LiFePo-Spannungsniveau erkannt. Der Angstakku hat dann noch üppig Kapazität um in Ruhe landen zu können.
Das LinkVario wird aus akutem Mangel an Anschlussmöglichkeiten über den zweiten Sat-Empfänger telemetriemäßig angebunden, der dadurch sein Empfangssignal "nur" via PPM-Signal in die Centralbox schickt statt über den Jeti EX-Bus.

Dann war da noch der Cockpitausbau. Der Pilot bekam noch seinen Gurt, was immer eine recht filigrane Arbeit ist. Die Gurte wurden nicht genäht sondern mit Pattex-Kontaktkleber jeweils fixiert und die Nähte mit silberenem Dekorstift angetäuscht. Nähen in dem Größenbereich ist eine echte Plage, weshalb ich diesen Weg gegangen bin.
Das Anpassen der Kabinenhaube war wie immer eine zeitaufwändige Fleißarbeit. Nachdem die Haube passte wurde sie mit "Canopy-Glue" auf den Haubenrahmen aufgeklebt und fixiert. Leider steht der Haubenrahmen vorne etwas über, daran konnte ich aber nichts ändern weil so gegeben.
Die aus dem Haubenrahmen herausgetrennte "Reste-Sitzschale" wurde an die Gegebenheiten im Rumpf angepasst und mit Stoff überzogen (mit lösemittelfreiem Kleber, damit nix durchscheint), Der Pilot darauf mit einem Kabelbinder fixiert und das Ganze mit Velcroband im Rumpf befestigt, damit man schnell an die dahinter befindlichen Komponenten herankommt.
Der Instrumentenpilz bekam noch eine Arretierung mittels einem versenkt eingebauten Powermagneten in der Akkuauflage und als Gegenstück eine 5mm Schraube, die ein Hochklappen im Flug verhindert und den Pilz seitlich stabilisiert.

Abschließend wurde das Dekor angebracht. Hier erkannte ich in letzter Minute, das durch den Nasenantrieb eine Zahlenkennung wie auch die eigentliche Bezeichnung falsch sind. Der Kompromiss, trotz falscher Winglets den Ventus als "2cxa" zu bezeichnen, geht meiner Ansicht nach in Ordnung. Als Kennung hab ich "D-KEMB" ausgewählt, die doch recht fett am Rumpf und Flächen erscheint aber egal.

Nun bleibt nur noch die Flächentaschen mit Verschlüssen zu versehen und gutes Wetter für den Erstflug abzuwarten. Zuerst wird natürlich geschleppt, danach möchte ich den Antrieb in der Luft ausprobieren, um zu sehen wie gut er "greift". Wenn das soweit in Ordnung ist, werde ich mich an einen Bodenstart wagen. Hoffen wir, das alles gut geht.

Als nächstes Projekt steht der Skywalker als weiterer E-Segler an. Bin schon gespannt, wann er eintrifft.

Hier der Ventus bei der "Generalprobe" nach dem Auswiegen und Einstellen der Ruderwege:

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